REDEN

1. AUGUST-REDE 2019

ZELL IM TÖSSTAL (ZH)

 

«Aktive Gemeinden als Zahnräder der Schweiz» 

 

Liebe Zeller,

liebe Chollbrünnler,

liebe Langeharder (oben und unten!),

liebe Rikemer,

liebe Tösstaler,

liebe Festgemeinde,

… so, nun sollten glaube ich alle angesprochen sein

ah nein! Die Leute aus Rämismühle noch nicht!

 

Es freut mich sehr, heute vor Ihnen zu stehen und meine erste Rede zum Nationalfeiertag bei Ihnen in Zell halten zu dürfen. Herzlichen Dank der Gemeinde Zell und dem Armbrustschützenverein Langenhard für die Einladung und Ihnen allen für den Besuch. Aber wieso freut es mich besonders, bei Ihnen in Zell zu sein? Ich fühle mich ein wenig in meine Kindheit zurückversetzt.

 

 

Ich wurde am 5. September 1992 in der Stadt Winterthur geboren und am 6. Dezember 1992 in Zell getauft in der schönen, markanten Kirche aus dem 16. Jahrhundert mit dem roten Turmdach. Erinnern kann ich mich aber natürlich nicht. Als Kind war ich oft beim Wasserfall Giessen im Königstal, oberhalb von Zell. Ich erinnere mich noch gut an die "meterlangen" Eiszapfen, welche für ein Kind ja doch einen grossen Reiz ausüben. Mit meinem Vater, der übrigens in der Region aufgewachsen ist, besuchte ich oft mein Grosi hier oder war im Restaurant Zeller Stübli für einen Nussgipfel. Oder vielleicht habe ich hier auch erstmals an einem Bier genippt?

 

Ich fand Zell aber seit meiner Kindheit eine etwas merkwürdig organisierte Gemeinde: Die Gemeinde heisst Zell, aber wo steht das Gemeindehaus? In Rikon. Wohl ein Zeichen für die ausgewogene Mitte, so liegt Rikon ja zwischen Kollbrunn und Zell. Aber vielleicht erklärt mir das nachher noch jemand?

 

Bei der Vorbereitung für den heutigen Abend bin ich auf das Motto Ihrer Gemeinde gestossen: «natürlich – sympathisch – aktiv». Aber, und man glaubt es kaum, eine Schnecke im Wappen! Quasi zur Schau gestellte Langsamkeit und Trägkeit. Aber ist das so?! (Publikum: "Nein!!"). Ich habe mir dann auferlegt, dieses Motto zum Thema meiner Rede zu machen, weil es eigentlich nicht nur zu Zell, sondern auch gut zur Schweiz passt. Zell, quasi ein Swiss Miniatur. Weil das Motto beschreibt drei typische Schweizer Eigenschaften:

 

Natürlich

In Ihrem Motto reden Sie Natürlichkeit an. Neben dieser landschaftlich schönen Gegend, wo wir uns heute befinden, steckt aber noch mehr dahinter. Weil auch Geradlinigkeit und Präzision liegen in der Natur des Schweizers. Oder auch Bescheidenheit. Zudem besitzen die Schweizer die Fähigkeit, sich für ihre Interessen nicht verbiegen zu lassen, sondern sich für ihre Interessen einzusetzen! Das ist Swissness!

  

Und wir feiern heute am 1. August auch unsere Freiheit und unser historisches Erbe. Auf dem basiert das Erfolgsmodell Schweiz, auf das wir zu Recht stolz sein können und ja auch heute feiern. Und trotz Erfolg haben wir es geschafft, bodenständig und natürlich zu bleiben. Dieses freiheitliche Erbe, welches den Grundstein von der Schweiz bildet – Sie kennen ja die Geschichte vom Rütlischwur! – und uns zu dem Land macht, welches wir heute sind. Das soll aber nicht heissen, dass wir wiederholen sollen, was unsere Vordenker bereits gesagt und gemacht haben. Nein, unsere Geschichte und die Einstellung zur persönlichen und gesellschaftlichen Freiheit soll uns auch in Zukunft leiten und uns helfen, unsere Probleme von heute anzugehen und zu lösen. Es braucht also eine Neuinterpretation der Art, wie man etwas anpackt und auch den Mut, dass man etwas anpackt.

 

Sympathisch

Die ganze Welt liebt uns. Nicht nur wegen unserer Schokolade, sondern wegen unserer Präzision. Diese macht uns stark. Ja gut, natürlich schon auch wegen der Schokolade. Die kennt man ja.

Auch als Wirtschaftsstandort sind wir sympathisch, weil unsere politische Stabilität macht uns attraktiv für innovative Unternehmen. Sie generieren Wertschöpfung, gute Arbeitsplätze und Perspektiven für uns alle. Aber auch für den Export sind Schweizer Produkte sympathisch – so auch gewisse Pfannen hier aus der Nähe. Im Ausland wird alles, was Swiss made ist, sehr geschätzt, so steht das doch für Präzision, Zuverlässigkeit, Exklusivität und auch Tradition. Die Schweiz hat viel zu bieten und soll das Selbstvertrauen haben, ihre Interessen auch in der Welt zu vertreten. Nur so bleiben unsere sympathischen Werte bestehen.

 

Auch hier im Tösstal ist Tradition wichtig. Nach dem Rückgang der Textilindustrie im Tösstal haben Sie aber nicht stagniert, sondern vorwärts geschaut. Mit der Wiederbelebung der leerstehenden Industriehallen sind viele neue Betriebe aus verschiedenen Bereichen gekommen. Damit zeigen Sie Ihre Sympathie für Neues und bauen gleichzeitig auf dem geschichtlichen Erbe auf.

 

Aktiv

Die Schweiz ist wie ein Uhrwerk. Sie besteht aus 2212 Zahnrädern. Jede Gemeinde stellt ein solches Zahnrad im System der Schweiz dar. Damit ein solches System läuft, muss eine Gemeinde aktiv bleiben, gesellschaftlich wie auch politisch. Die Gemeinden befinden sich im Umbruch, Fusionen finden statt und lassen Orte von der Landkarte verschwinden – so übrigens auch meinen Heimatort im Kanton Fribourg.

 

Menschen ziehen immer mehr in die Städte – aber es geht dabei eben vergessen, dass es die ländlichen Gemeinden auch braucht. Gemeinden, wie Sie eine sind. Trotz den über 6000 Einwohnerinnen und Einwohnern unterschätzt man Sie vielleicht. Aber in letzter Zeit wird im Tösstal rege gebaut. Ihre Gemeinde wächst seit 10 Jahren um jährlich rund 1.5%, im Verhältnis ist das vergleichbar mit der Stadt Winterthur, welche ja viel wächst. Das Bevölkerungswachstum ist der Auslöser für ausgebaute Verkehrsinfrastruktur. Das ist eine Chance für uns, weil die Schweiz ist ja ein Binnenland. Aber eben ein aktives, international vernetztes Binnenland, wo aus vielen Zahnrädern besteht. Sie hier in der Region kennen sich ja bestens aus mit Vernetzung.

 

International bedeutend ist auch das Tibet–Institut in Rikon, wo der aktive Unternehmer Jacques Kuhn vielen Tibetern ein neues Zuhause schuf. Das einzige tibetische Kloster ausserhalb von Tibet selber! Als Kind fragte ich mich, wie sich denn manchmal ein tibetischer Mönch nach Winterthur verirrt hat, die Erklärung liegt hier im Tösstal, in Ihrer Gemeinde. Schon erstaunlich. So träge wie eine Schnecke können Sie also gar nicht sein! Gefunden habe ich ein Verzeichnis mit 62 Vereinen. Das zeugt doch von einer lebendigen Gemeinde. Und das ist wichtig, denn wir müssen aktiv bleiben, damit unser Land nicht stillsteht.

 

 

Genau das war auch der Grund, weshalb ich mich entschieden habe, mich in der Politik und der Gesellschaft zu engagieren. Sie fragen sich jetzt vielleicht, wieso denn ausgerechnet bei den Freisinnigen? Mir ist es wichtig, sich für Freiheit und unseren Standort Schweiz einzusetzen. Jeder soll die Freiheit haben, sich persönlich zu entfalten und muss dabei aber eigenverantwortlich handeln. Einzige Einschränkung ist natürlich die Freiheit des Anderen, ganz ohne Regeln geht es nicht. Ein gewisses Mass an Ordnung für eine funktionierende Marktwirtschaft ist nötig. Aber zu viele Regulierungen und Gesetze schwächen das Erfolgsmodell Schweiz – wir müssen also Sorge tragen und beides in einem Minimum halten. Oft werden Regulierungen für ideologische und parteipolitische Zwecke missbraucht...

 

Der Schweiz steht momentan ein Strukturwandel bevor: Die Bevölkerung wächst auf begrenztem Raum und erfordert mehr Wohnungen und Verkehrsmittel auf Strasse, Schiene und in der Luft. In der Altersvorsorge ist mit der AHV ein gesellschaftlicher Konsens nötig und auch die Gesundheitskosten müssen in den Griff bekommen werden. Als Binnenland benötigen wir zudem gute Wirtschaftsbeziehungen mit dem Ausland.

 

Um Lösungen zu finden, muss die Politik unvoreingenommen auf diese Angelegenheiten reagieren können – alte Zöpfe müssen abgeschnitten und mit Mut neu gedacht werden. Unser Land soll visionär weiterentwickelt werden, ohne ständige Beeinflussung von Einzelinteressen. Die Verlockung ist gross, aber die Politik ist ein Dienst am Volk, nicht an sich selbst!

 

Ich möchte zusammen mit Ihnen – unabhängig von Partei und Gesinnung – die Schweiz und unseren Lebensraum von morgen mit Herzblut mitgestalten, damit sie auch in ferner Zukunft attraktiv und ein Erfolgsmodell bleibt. Was ich Ihnen jetzt noch dafür auf den Weg geben möchte:

 

§  Bleiben Sie natürlich, mit unserem schönen Land verbunden und geradlinig in Ihrem Handeln!

 

§  Bleiben Sie sympathisch – aber das muss ich Ihnen ja wohl nicht sagen – weil so bleiben wir auch international attraktiv.

 

und

 

§  Bleiben Sie aktiv in Ihrem Umfeld, in Ihrer Gemeinde, in Ihrer, unserer Schweiz!

 

So, fertig geredet!

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! Jetzt wünsche ich Ihnen eine schöne 1. August–Feier – geniessen Sie den Abend mit Familie und Freunden bei Cervelat, Feuerwerk und dem Männerchor Kollbrunn.

 

 

Raphael Perroulaz

Präsident Jungfreisinnige Winterthur

  

 

(Es gilt das gesprochene Wort.)



ANTRITTSREDE ALS

PRÄSIDENT DER JUNGFREISINNIGEN WINTERTHUR

Restaurant Silberkeller, Winterthur | 20. April 2018

 

Geschätzte "Mitgliederinnen" und Mitglieder

 

Ich darf mit einem Zitat beginnen:

 

«Manche Leute halten den Unternehmer für einen räudigen Wolf, den man totschlagen müsse. Andere sehen in ihm eine Kuh, die man ununterbrochen melken könne. Nur wenige erkennen in ihm das Pferd, das den Karren zieht.»

—  Sir Winston Churchill

 

Ich darf heute das Amt des Präsidenten der Jungfreisinnigen in meiner geliebten Heimatstadt Winterthur übernehmen, was mich sehr freut. An dieser Stelle danke ich euch bereits jetzt für euer grosses Vertrauen. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit meinen alten Kollegen Gioia und Markus und den neuen Gesichtern im Vorstand mit Elektra, Cristina und Philipp. Die JFW befinden sich heute gut im Schuss (und wir sind alles Schüsse) und ich darf eine gut aufgestellte und aktive Partei übernehmen, in der ich unter der Führung von (jetzt!) Alt-Präsident Jan Fehr bereits seit 4 Jahren als Vizepräsident mitwirken konnte. Diese Zeit entspricht exakt der Legislaturperiode der Stadt Winterthur. Wir hatten gesamtpolitisch wohl eine eher komfortable Situation, da wir schliesslich mit Hot-Dogs eine bürgerliche Mehrheit im Stadtrat gewinnen konnten. Die politische Lage Winterthurs hat sich jedoch nach den Wahlen vom 4. März gegen uns gerichtet.

 

Ab Juni haben wir (leider!) wieder eine rot-grüne Stadtregierung, im Grossen Gemeinderat konnte nach der erneuten Auszählung der vergessenen Stimmen in Wülflingen die bürgerliche Mehrheit sehr knapp gesichert werden. Wir Bürgerlichen werden in Exekutivgeschäften in die Oppositionsrolle verlegt. Diese neu-alte Beobachterrolle verpflichtet uns nun aber, den Linken stärker auf die Finger zu schauen, ihre Handlungen genau zu verfolgen, auf Missstände hinzuweisen und selbst aktiv zu werden. Der «heisse Draht» zu unserer vergrösserten Gemeinderatsfraktion - seit dieser Woche mit sogar 9 Sitzen - ist hierbei wichtiger denn je. Wir alle befindet uns nun wie in einem Hochsitz am Waldrand. Machen die Linken einen Fehler, müssen wir das mit der FDP aufs Tapet bringen. Eine aktive Mitgestaltung der Politik in unserer Stadt liegt mir am Herzen. Das gehört bestimmt zu meinen wesentlichen Zielen und bestimmt auch zu denen des neuen Vorstandes. In diesem Zusammenhang besteht die Chance, uns als Jungfreisinnige stärker zu etablieren und eine höhere Sichtbarkeit in der Öffentlichkeit zu erwirken. Die Medien sollten vermehrt auf unsere Aktivitäten aufmerksam werden, das bleibt bei einer links geprägten Zeitung wie dem Landboten aber natürlich eine Challenge! Der städtische Wahlkampf ist zwar vorbei, doch wir müssen definitiv sichtbar bleiben, gerade im Hinblick auf die bevorstehenden Kantonsratswahlen 2019 und die Nationalratswahlen 2020. 

 

Die JFW planen ein aktives Jahr - ohne dabei vorzugreifen, es wird einiges los sein. Gerade auch beim Geldspielgesetz sollten wir das von Jungfreisinn, Junger SVP und Junger GLP aufgegleiste Referendum tatkräftig unterstützen, eine digitale Abschottung und die somit entstehende Einschränkung der Wettbewerbsfähigkeit schaden unserem Land. Dazu wird es diverse kantonale Aktionen in Zürich geben, auch in Winterthur soll wenn möglich eine solche durchgeführt werden können.

 

Wir Winterthurer sollten aber nicht einfach die Aufgaben und Themen der kantonalen oder nationalen Jungfreisinnigen umsetzen, sondern auch in unserer Stadt vermehrt Themen aufgreifen - dazu bietet die politische Lage nun Gelegenheit.

 

Um vielleicht ein aktuelles Thema zu nennen: Gerade vorgestern hat der Landbote vermeldet, dass die Volksinitiative «Obertor: Boden behalten – Winterthur gestalten» aus den Lagern SP/Grüne/AL zustande gekommen ist. Es handelt sich um das Areal des heutigen Polizeigebäudes und ist ein wichtiges Stadtentwicklungsprojekt innerhalb der Altstadt. Der bisherige Stadtrat hat nicht verleugnet, dort auch hochpreisige Wohnungen oder ein Boutiquehotel zu ermöglichen. Natürlich stehen uns die Kernanliegen der Initianten entgegen, so soll z.B. min. die Hälfte der Geschossflächen profitfrei vermietet werden - also nach dem Prinzip der Kostenmiete. Die Nutzung soll zudem «gemischt und gemeinnützig» sein. Mit solchen Anliegen habe ich ein persönliches Problem, weil linke «Durchmischung» nie wirklich durchmischt ist, sondern eben klientelgerecht durchmischt. Solche Forderungen müssen aktiv bekämpft werden, sei es in überparteilichen Komitees oder auf der Strasse.

 

In diesem Sinne möchte ich euch alle ermutigen, den Jägerstatus im Hochsitz einzunehmen und auf die Pirsch nach linken Missständen zu gehen. Nur gemeinsam schaffen wir das!

 

Ich danke Jan Fehr und meinem alten Team nochmals für die erfolgreiche Zusammenarbeit und entlasse Jan und Noëmi somit definitiv in den Ruhestand.

 

Besten Dank!